Angststörungen

Ängste und Phobien

Angststörungen sind sehr verbreitet. Wissenschaftlichen Daten zufolge liegt die Auftretenshäufigkeit von Angststörungen in der Gruppe der 18 – 79 Jahre alten Menschen bei 15,3 Prozent. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Für einige Menschen sind diese Ängste im Alltag nicht so einschränkend und belastend. Dann stellen diese Ängste kein grosses Problem dar und lassen sich einfach “umgehen”.

Eine andere Situation ergibt sich aber dann, wenn die Ängste sehr massiv und zu einem grossen  Hindernis werden, das die Lebensqualität stark einschränkt. Oder wenn Ängste bei der Umsetzung von Zielen und Wünschen im Wege stehen. Angsterkrankungen können bei Kindern und bei Erwachsenen auftreten; in der Praxis biete ich nur Behandlungen für Erwachsene an.

Angststörungen unterscheiden sich erheblich voneinander und nicht selten treten bei den Betroffenen verschiedene Arten und Formen von Angst nebeneinander auf. Eine gute Diagnostik einer Angsterkrankung ist alos wichtig und erfolgt durch den Psychotherapeuten.

Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie.
(Erich Kästner)

Welche Angststörungen gibt es? Arten und Definitionen

Man unterscheidet verschiedene Angststörungen:

  1. Panikstörungen
  2. Generalisierte Angststörung
  3. Angst und depressive Störung, gemischt
  4. Phobien

1) Panikstörung

Eine Panikstörung liegt dann vorwenn wiederkehrende Panikattacken auftreten, die wie aus heiterem Himmel über die Betroffenen hereinbrechen. Begleitend zeigen sich dann heftige körperliche Beschwerden wie Atemnot, Schweißausbrüche, Herzrasen und Schwindelgefühle, die sich bis zur Todesangst steigern können, jedoch binnen einer Stunde meist wieder vollständig abklingen.

Viele Betroffene leben mit der ständigen Sorge vor der nächsten Panikattacke, und es ist oft diese Angst vor der Angst, die im Alltag als besonders einschränkend empfunden wird. Daher kommt es zu Vermeidungsverhalten, d.h. die Betroffenen gehen jeder Situation aus dem Weg, die vermeintlich die nächste Panikattacke auslösen könnte.

2) generalisierte Angststörung

Menschen mit einer generalisierten Angststörung erleben Ängste, die situationsungebunden sind und sich auf alles Mögliche beziehen können. So können sie sich zum Beispiel in einem Moment ängstigen, dass ihr Kind auf dem Weg zur Schule von einem Auto angefahren wird. Im nächsten Augenblick fürchten sie, dass ihr Partner mit dem Auto einen Unfall haben könnte. Oder dass sie Probleme am Arbeitsplatz bekommen könnten. Die Ängste und Sorgen betreffen also viele Lebenssituationen und -bereiche (daher “generalisiert”) und sind unverhältnismäßig stark ausgeprägt.

Durch die Sorgen und Ängste kommt es zu einer Überaktivierung des vegetativen Nervensystems mit starker Adrenalinausschüttung. Dadurch kann sich der Körper in einem andauernden Zustand innerer Erregung und Anspannung befinden. Mögliche Symptome sind Nervosität, Muskelverspannungen, Herzklopfen und Magenbeschwerden.

Sich ständig zu ängstigen ist ausserdem sehr erschöpfend und kann daher zu Konzentrations- und Schlafstörungen führen. Ein auftretendes Kennzeichen der Störung ist, sich permanent um alles Mögliche zu sorgen und endlose Gedankenschleifen zu erleben, was alles passieren und schieflaufen könnte.

3) Angststörungen und Depressionen

In vielen Fällen gehen Angststörungen auch mit Depressionen einher. Dies ist verständlich, da die Angststörung den Lebensradius der Betroffenen so stark einschränkt, dass es einem sozialen Rückzug und einer Reduzierung sozialer Kontakte kommen kann. Ausserdem können Grundbedürfnisse teilweise nicht befriedigt werden und eine persönliche Weiterentwicklung wird erschwert, was zu einer generellen Unzufriedenheit führen kann. Werden die Ängste nicht rechtzeitig behandelt, können sich begleitend daher Depressionen entwickeln.

4) Phobien

Eine Phobie ist eine starke Angstreaktion bei der Konfrontation mit bestimmten Situationen, Tieren, Personen oder Objekten. Bei den Phobien unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Ängsten:

  1. die spezifische (isolierte) Phobie
  2. die soziale Phobie
  3. die Agoraphobie
Angstauslösender dunkler Baum

Einige Erläuterungen zu den Phobien

Als spezifische Phobien werden die zahlreichen verschiedenen Ängste vor bestimmten Dingen oder Situationen bezeichnet, wobei u.a. Phobien vom Naturgewaltentyp, vom Tiertyp, Injektions- und Verletzungstyp sowie vom situationsgebundenen Typ (z.B. Prüfungsangst) unterschieden werden.

Es gibt sehr viele unterschiedliche spezifische Phobien. Im Folgenden sind einige bekanntere Phobien aufgelistet:

  • Achluophobie: Angst vor dunklen Räumen
  • Arachnophobie: Angst vor Spinnen, Spinnenphobie
  • Aviophobie: Flugangst
  • Bathophobie: Höhenangst
  • Dentalphobie: Angst vor dem Zahnarzt
  • Erythrophobie: Angst vor dem Rotwerden, Errötungsangst
  • Hematophobie: Angst vor Blut
  • Hypochondrie: Angst vor Krankheiten
  • Klaustrophobie: Angst vor engen Räumen
  • Ornithophobie: Angst vor Vögeln
  • Phobophobie: Angst vor der Angst

Sehr einschränkend sind auch Phobien, die sich im beruflichen Kontext zeigen, wie z.B. Lampenfieber, Redeangst (Logophobie) oder Präsentationsangst.

Psychotherapie der Angststörungen

Psychotherapeutische Verfahren in der Behandlung von Ängsten

In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Formen der Therapie von Angststörungen entwickelt. Beispielhaft seien hier die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), die Schematherapie, EMDR, die Ansätze der energetischen Psychologie oder die seit längerem etablierte kognitive Verhaltenstherapie erwähnt.

Ärztliche Verordnungen und Behandlungsmöglichkeiten

Ärztlicherseits werden gegebenenfalls Medikamente wie z.B. Antidepressiva, Anxiolytika oder Benzodiazepine verordnet. Über Medikamente wird der Neurotransmitter-Haushalt gezielt beeinflusst, um über diesen Mechanismus eine Angstreduktion oder zeitweise Angstfreiheit zu erzielen. In der Behandlung von Angststörungen wird in medizinischen Leitlinien je nach Diagnose und Ausprägung der Angststörung eine Kombination aus Pharmakotherapie und Psychotherapie empfohlen. Nähere Informationen dazu hier.

Behandlung von Angststörungen mit Hypnose

In der Praxis verwende ich bei der Behandlung von Ängsten auch Sitzungen mit Hypnose, eingebettet in ein umfassendes Behandlungskonzept. Die Hypnose hat dabei viele Möglichkeiten, hier nur einige davon:

  • Die Konfrontation mit angstauslösenden Reizen im Sinne einer systematischen Desensibilisierung während eines tiefen hypnotischen Entspannungszustandes. Durch die hypnotische Trance ist eine sehr gute Visualisierung möglich und gleichzeitig können neue Verhaltensmöglichkeiten mental eingeübt werden
  • Die Aufdeckung von zugrundeliegenden Ursachen der Angst. Mit der Hypnoanalyse können im Rahmen einer Altersregression bestimmte Lebenssituationen und Konflikte wieder zugänglich gemacht werden, die ursprünglich mit der Angst in Verbindung stehen. Durch die Verarbeitung der damit einhergehenden Emotionen und einer Neubewertung der Ursprungssituation aus der Erwachsenenperspektive wird eine Auflösung der Ängste angestrebt
  • In der Trance werden Ressourcen aktiviert, d.h. innere Fähigkeiten und Kompetenzen im Umgang mit herausfordernden Situationen, die wir alle im Laufe unseres Lebens erworben haben. Diese Ressourcen werden dann gezielt genutzt, um sie in die angstauslösende Situation zu übertragen. Dadurch können die Ängste ge- lindert und mehr Kontrolle über angstauslösenden Situationen erlangt werden
  • Falls erforderlich, können während der Hypnose gezielte Suggestionen zur Ich-Stärkung gegeben werden, so dass das Selbstwertgefühl dadurch gestärkt werden kann
Angst stoppen
Die Angst stoppen


Das Schöne bei der therapeutischen Arbeit mit Hypnose ist, dass unsere Kreativität und unsere Fähigkeit zur Visualisierung in tiefer Selbstversenkung genutzt werden können. Dadurch ist dieser Ansatz erlebnisorientiert und intensiv erfahrbar. Es wird also nicht nur über etwas gesprochen, sondern es treten intensive Erlebnisse und Emotionen in der Situation direkt auf. Daher verfügt die Hypnose in fachkundiger Hand bei Angststörungen, Phobien und Panikattacken über ein grosses Veränderungspotential.

Verlauf der psychotherapeutischen Behandlung

In Verbindung mit kognitiver Verhaltenstherapie kann das in den Sitzungen erarbeitete im Alltag direkt umgesetzt werden, indem man sich den Ängsten wieder stellt. Denn nach langjährig bestehenden Angsterkrankungen besteht auch nach der Behandlung manchmal noch eine „Angst vor der Angst“, also eine Angst vor den vermeintlich auftretenden starken körperlichen Reaktionen (die dann aber plötzlich nach erfolgreicher Behandlung ausbleiben). Diese „Angst vor der Angst“ kann am wirkungsvollsten durch eine Konfrontation mit den ursprünglich angstauslösenden Reizen überwunden werden. Gerade die Kombination aus Hypnosetherapie und Verhaltenstherapie erweist sich in der Therapie also als besonders wirksam zur Angstbewältigung und -auflösung.

Ängste überwinden
Ängste besiegen – ein supergutes Gefühl